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Markus Söder: Kochen für Likes oder für das Volk?

Markus Söder ist mehr als nur ein Politiker; er ist eine Marke geworden. In einer Welt voller sozialer Medien fragt man sich, ob es um echte Leistung oder nur um Likes geht.

Lukas Klein23. Juli 20264 Min. Lesezeit

Ein städtisches Café, das die Neonlichter kaum abstellen will, dazu der Geruch frisch gebrühter Kaffees und die leisen Unterhaltungen des Publikums. Hier sitzt Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident, gemütlich an einem Tisch und genießt ein Gericht, das seine Vorliebe für deftige Küche widerspiegelt. „Inzwischen weiß aber auch jeder, was ich gern esse“, sagt er mit einem Augenzwinkern, während er ein Stück von einem krossen Schweinebraten in den Mund steckt.

Diese kleine Szene illustriert, wie sehr die persönliche Marke eines Politikers heutzutage geprägt ist von der Inszenierung im digitalen Raum. Wo einst die politische Akrobatik im Vordergrund stand, ist jetzt das geschickte Jonglieren mit der eigenen Persona gefragt. Söder ist in diesem Spiel ein Meister, und die Vielzahl an Likes auf seinen Social-Media-Plattformen spricht für sich. Aber ist das tatsächlich Ausdruck politischer Leistung oder vielmehr der Versuch, auf der Welle der digitalen Popularität zu surfen?

Die Personal Brand des Markus Söder

Um zu verstehen, warum Söder so viele Anhänger in den sozialen Medien findet, muss man sein Image betrachten. Er ist nicht nur der Ministerpräsident, sondern auch ein leidenschaftlicher Bayern-Fan, ein Jäger und ein Gourmet. Jeder seiner Auftritte wird darauf abgestimmt, diese Seiten seiner Persönlichkeit zu präsentieren. Ein post auf Instagram zeigt ihn lächelnd vor einem rustikalen bayerischen Hof, eine andere Aufnahme zeigt ihn mit einem massiven Becher Bier in der Hand.

Der kritische Bürger könnte sich fragen: Wo bleibt die Substanz? Wo sind die politischen Inhalte hinter dem brav inszenierten Lächeln und dem neuesten Rezept vom Grill? Zwar hat Söder auch politische Ansichten, die in der Regel mit dem bayerischen Konservatismus ordentlich gewürzt sind, doch könnte man meinen, dass die Likes wichtiger sind als die echten Herausforderungen. Soziale Medien sind zu einem Spiegelbild unserer Zeit geworden, in dem Oberflächlichkeit oft belohnt wird. Die Frage ist, ob der Inhalt dabei auf der Strecke bleibt.

Politische Leistung oder bloß ein Hype?

Ähnlich wie andere Politiker hat auch Söder die Kunst der Selbstinszenierung erlernt. Wenn er sich im bayerischen Wald aufhält, umgeben von der Natur, scheint er die Rolle des Naturverbundenen perfekt zu spielen. Es ist fast so, als würde er den Politikern der Vergangenheit mit einem Hauch von Ironie begegnen. Wo früher Sachthemen und Debatten dominierten, sind es jetzt die spontanen Videoclips, die sich rasend schnell im Netz verbreiten.

Allerdings hat dieser Fokus auf das Persönliche nicht nur positive Auswirkungen. Der kritische Blick auf Söders politische Arbeit zeigt, dass die grundlegenden Probleme, die das Land bewegen, oft unter den Tisch fallen. Themen wie Klimaschutz oder soziale Gerechtigkeit erscheinen in den inszenierten Momenten nicht oder werden in einem Nebensatz erwähnt, wenn es gerade passt. Stattdessen regiert die bisweilen belanglose Unterhaltung, und die Frage bleibt offen, ob das Volk wirklich repräsentiert wird oder ob es lediglich als Publikum für Söders Show fungiert.

Likes als neue Währung

Das Phänomen der Likes als Währung im politischen Raum ist nicht neu. Auch in Deutschland hat sich in den letzten Jahren eine Kultur entwickelt, in der Zustimmung in Form von Klickzahlen gemessen wird. Im Fall von Söder zeigt sich dies besonders deutlich: Anstatt politische Debatten zu führen, werden kurze Videos produziert, die Snippets von Söders „Witzigkeit“ und „Charme“ zeigen.

Die Frage, die sich stellt, ist: Führt dieser Trend zu einer Entpolitisierung des öffentlichen Diskurses? Ein gefährlicher Zustand, in dem das Publikum nicht mehr mit Fachinhalten, sondern mit einem bunten Mix aus Unterhaltung und Vorlieben gefüttert wird. Der Media-Mix, den Politiker mittlerweile ausspielen, ist ein schmaler Grat zwischen informativer Aufklärung und der damit verbundenen Unterhaltung.

Und da bleibt es nicht aus, dass der Zuschauer am Ende des Tages nur noch ein weiteres Rezept aus der Küche des Ministerpräsidenten serviert bekommt oder ein weiteres Bild sieht, das Söder beim Radfahren in einer malerischen Landschaft zeigt.

Es ist der schleichende Prozess des „Kochens für Likes“, bei dem die politische Leistung nahezu unwichtig wird im Vergleich zur Anzahl der Follower und der geteilten Beiträge. Die Frage ist nicht mehr, was ein Politiker leistet, sondern wie er sich verhält, um auch weiterhin die Aufmerksamkeit der Online-Gemeinde zu erhalten.

Markus Söder hat sich als ein Beispiel für diese Entwicklung etabliert. Nahezu jeder Schritt, den er macht, ist eine kalkulierte Entscheidung, um die öffentliche Wahrnehmung zu steuern.

So mag es am Ende zwar nett sein, zu wissen, dass der Ministerpräsident gerne Braten isst, doch könnte man sich auch fragen, ob diese Information wirklich von gesamtgesellschaftlichem Wert ist. Bleiben die echten Probleme unter dem Radar, während der Braten vor sich hin brutzelt?

Die Inszenierung, die Söder zelebriert, ist also auch ein Spiegelbild eines größeren Phänomens. Die digitale Verflachung des politischen Diskurses könnte vielleicht nicht nur Söder, sondern die gesamte Politik in Deutschland betreffen. Wenn die Wähler nicht mehr an komplexen Inhalten interessiert sind, sondern sich mit Liker-Kultur und persönlichen Stilen zufriedengeben, wird die politische Landschaft in eine neue Ära der Oberflächlichkeit eintreten, in der die Frage bleibt, ob wir wirklich noch die Richtigen wählen.

Es ist die schleichende Sorge, dass sich Politik nicht nur zur Marke, sondern zur bloßen Unterhaltung entwickelt.

Doch solange die Braten frisch und die Likes zahlreich sind, können wir uns zurücklehnen und die Show genießen. Vielleicht mit einem Stück von Söders Spezialität – und der Frage, was dadurch außen vor bleibt.

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